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Der Sinn des Lebens

(Ein Hoch auf Hermann Harry Schmitz, der leider schon seit 100 Jahren tot ist...)

Wir singen heute mal
ein Lied für Herrn Schmitz
In Düsseldorf ist er
nicht unbekannt
Voll Ehrfurcht
für Heines ironischen Witz
Hat er sich ihm zu Ehren
Harry genannt.

Äh, äh, äh, bööh, bööh, tülle, tülle, mött, mött, ääh, ääh:
Der Sinn des Lebens ist:
Zweiundvierzig...

Er war ein Schalk,
der Hermann Harry Schmitz
Er hielt den Leuten
den Spiegel vor
Seine Feder war
sehr frech und spitz
Auch heute noch
trifft sie manchen Tor

Die Welt ist voll Deppen,
ein Irrenhaus...
Und kommt mal
ein König zu Besuch
Stellt man fest: Der gehört rein
und niemals mehr raus.
Nachzulesen in
Hermann Harrys Buch.

Dass die Zweiundvierzig
eine irre Zahl,
Das wissen auch and're,
schlaue Leut'.
Ein Superhirn hatte die
Qual der Wahl.
Bei Douglas Adams
steht's gestern wie heut.

Äh, äh, äh, bööh, bööh, tülle, tülle, mött, mött, ääh, ääh:
Der Sinn des Lebens ist:
Zweiundvierzig...

42 - der Sinn des Lebens (Werner)

Mit den besten Grüßen an die Hermann-Harry-Schmitz-Sozietät in Düsseldorf

Doppel-Kopf 2015

Ballade vom alten Mann

(geschrieben 1988)

Ich bin ein alter Mann in dieser jungen Stadt,
Ich war ein junger Mann in dieser alten Stadt,
Die 700 Jahr' auf ihrem Buckel hat.
Bin 82 und leb' allein im Heim
In Flehe, nah der Klinik und nah zum Rhein.
Was kann schöner als ein solcher Lebensabend sein!

Das Taschengeld reicht noch für zwei Bier,
Zum Rauchen langt's nicht, das verkneif' ich mir.
Das Sozialamt gibt mir nichts dafür.
Ich will nicht betteln bei den Leuten im Büro,
Das macht mein Stolz nicht mit, ich bin halt so.
Ich bin ein Düsseldorfer, das sowieso.

Meine Eltern hatten 'nen Kartoffelstand
Auf'm Karlsplatz, wo man immer Freunde fand.
Wir von der Max-Schul' kloppten uns im Sand.
Und als ich 12 war, zog mein Vater fort,
Für's Vaterland und Kaiser galt sein Wort.
Er fiel in diesem tausendfachen Mord


Wir mußten ohne ihn zur Sache geh'n,
Die Inflation irgendwie übersteh'n.
Wir Kinder schufteten und wollten spielen geh'n!
Ich wurde älter, wurde vom Kind zum Mann
Und fing mein Leben von vorne an,
Verliebte mich und wurde Ehemann.

Nicht viel später kam der Fritz zur Welt.
Die Kartoffeln brachten uns nicht viel Geld.
So war's für uns nicht zum besten bestellt.
Noch schlechter wurd' es, als Hitler kam:
Ich tauschte den Stand mit dem Stahlhelm.
Meine Frau und der Junge allein - ein Wahnsinn


















Als ich für das deutsche Vaterland
An der Wolga so richtig in der Scheiße stand,
Fielen Bomben auf den Markt und den Kartoffelstand!
Ich erhielt dann die Nachricht vom Tod meiner Frau,
Die Umstände kannte man nicht genau.
Sie gaben den Fritz zu einer Nachbarsfrau.

Ich kam '50 aus der Gefangenschaft.
Bei der Ankunft am Bahnhof wurden wir angegafft:
Warum hatten nur die das "Überleben" geschafft?
Fritz war 15, und er erkannte mich nicht
Mit meinem dreckverschmierten Gesicht.
Ein richtiger Vater? Nee, das war ich nicht.

Er blieb bei der Nachbarin, er blieb mir fremd.
Zu Weihnachten schickte er mir ein neues Hemd.
Ich hab' Stunden geheult und nachts nicht gepennt!
Ich hab' ihn dann jahrelang nicht mehr geseh'n.
Er wollte als einer der ersten zur Bundeswehr geh'n.
Ich sagte "Nein!" - doch er ließ mich einfach steh'n.

Nur ein Irrer kann diesen Mist noch einmal machen.
Warum schiebt mein Sohn jetzt wieder Wachen?
Warum machen wir immer die falschen Sachen?
Ich war allein - so abgrundtief allein.
Sollte das der Sinn des Lebens gewesen sein?
So kam es dann: Erst Sozialamt, dann das Heim.

Mein Sohn hat heute keine Zeit für mich.
Als Oberstleutnant hat er sicherlich
Im Sinn nur Eichenlaub - das fürchte ich.
Ich wünsch' ihm nicht, daß es ihm mal so ergeht
Wir mir, sondern daß er stolz da steht,
Wenn er mit 48 in seine Rente geht!

Ich leb' allein in diesem stillen Heim,
Es wird auf immer mein zu Hause sein.
Allein und immerzu allein.
Ich war ein Bürger dieser alten Stadt,
Die 700 Jahr' auf ihrem Buckel hat.
Irgendwann auf dem Südfriedhof wird's enden -
Eine Feier findet dann wohl nicht statt.

Michael Chrometzka (†)